00:00:04: Hallo und herzlich Willkommen zu Blue Waves, dem Podcast für die Bau- und Immobilienwelt. Ich weiß nicht, wie sie heute Morgen ins Büro gekommen sind, aber ich pendle aktuell ziemlich regelmäßig von Köln nach Stuttgart und Nutze dafür gern den Zug, das ist wesentlich kürzer, man sitzt bequem, man kann arbeiten und der Kaffee im Bord Bistro ist auch ganz lecker und ich muss sagen, ich habe diese Annehmlichkeiten meist eher als gegeben hingenommen oder mich eher noch aufgeregt, wenn irgendwie Verspätung
00:00:31: war, aber es nie wirklich wertgeschätzt. Bis zu dem Zeitpunkt als ich letztes Jahr im Sommer meinen Zug von Köln nach Stuttgart buchen wollte und auf einmal festgestellt habe, dass es einfach eine Stunde länger dauert, das heißt statt 2 Stunden 15, 3 Stunden 15.
00:00:46: Und das ist schon fast die doppelte Zeit und ich muss gestehen, ich war ziemlich genervt und habe natürlich um meine verlorene Zeit getrauert. Aber ich hatte ehrlicherweise auch keine andere Wahl.
00:00:55: Und ich glaube, dieses Verspätungsthema, das kennen viele von Ihnen und dadurch wird klar, ohne funktionierende Infrastruktur würde einfach alles still stehen und vor allen Dingen sind Ausfälle jeglicher Art für uns als NutzerInnen direkt spürbar.
00:01:11: Wir alle brauchen Infrastruktur und eine Zukunft ohne Infrastruktur wäre nicht denkbar.
00:01:16: Und genau deswegen habe ich heute 2 ExpertInnen für das Thema eingeladen, die sich genau mit solch wichtigen Projekten tagtäglich beschäftigen und sich vor allen Dingen auch mit den Herausforderungen und Besonderheiten auskennen. Und damit sage ich, Hallo Annette und Hallo Fabian.
00:01:32: Hallo Marie, freut mich.
00:01:34: Hallo Marie, freut uns hier zu sein.
00:01:35: Ja, ich freue mich auch, dass ihr hier seid. Ihr arbeitet beide Drees & Sommer im Bereich Public Transport mit Fokus auf das Thema Schiene, das heißt, all die Projekte, die sich um Themen drehen zu Themen, die ich gerade zu Beginn aus meiner persönlichen Erfahrung geschildert habe.
00:01:51: Das war nämlich eine Baustelle, die dafür verantwortlich war. Aber da kommen wir später noch mal drauf zurück. Und Annette, du bist Teamleiterin und Fabian, du bist als Projektleiter in dem Bereich tätig.
00:02:05: Die erste Frage, die mich interessiert, hat noch gar keinen fachlichen Bezug, sondern mich würde interessieren, wie kamt ihr denn zu dem Thema Schiene oder was hat euch dazu gebracht? War es der Frust über die Verspätung oder dachtet ihr, ihr müsst einfach direkt was daran ändern?
00:02:20: Oder war es vielleicht einfach die Leidenschaft für das Thema, die ihr habt?
00:02:24: Annette, magst du beginnen?
00:02:26: Ja, ich fange sehr gerne an. Also was hat mich zur Schiene gebracht? Am Ende die Herausforderungen in Projekten, weil ich wollte schon immer Projekte machen, die sehr ganzheitlich sind, wo ich über den Tellerrand schauen muss, und das sind Schienenbahnprojekte auf jeden Fall, weil man einfach so viele, ja Komponenten und so weiter berücksichtigen muss, sodass es einfach ein großes Ganzes ist. Und daher habe ich schon im Studium angefangen, mich auf die Schiene zu fokussieren.
00:02:47: Also ich bin auf das Thema Schiene tatsächlich auch ein Stückchen weit über den Frust der Verspätung gekommen und natürlich auch der Motivation dahingehend. Dazu was beizutragen, die Ist-Situation zu verbessern ist eine wahnsinnig große Aufgabe. Das Themengebiet Infrastruktur und insbesondere auch die Schiene, vor der wir stehen und dazu einen Beitrag zu leisten in meiner Rolle als Projektleiter,
00:03:10: motiviert mich und hat mich zum Thema Schiene gebracht.
00:03:13: Sehr schön. Das heißt, wir haben zwei unterschiedliche Ansätze und vor allen Dingen war es eigentlich schon die perfekte Überleitung zu meiner ersten Frage, weil Annette, du hast schon kurz skizziert, dass Infrastrukturprojekte sehr, sehr umfassend, sehr ganzheitlich und natürlich auch herausfordernd sind.
00:03:31: Warum ist es denn genauso? Kannst du es einmal erläutern?
00:03:34: Ja, kann ich sehr gerne. Infrastrukturprojekte bedienen einfach so viele unterschiedliche, ja Ansprüche, wo man auch gerecht werden muss. Und der größte Unterschied ist, wenn man ein Gebäude, ein Haus nimmt: Ein Gebäude ist, keine Ahnung, hat eine kleine Grundfläche und geht nach oben, Infrastrukturprojekte sind oft kilometerlang, gerade bei der Bahn.
00:03:52: Das hat man einfach allein schon aufgrund der Ausdehnung viel, viel mehr Schnittstellen zu anderen. Man geht durch die Natur hindurch, man geht durch Städte, Gemeinde, durch, es wohnen Leute nebendran, das heißt allein schon aufgrund der Größe der Projekte hat man schon ganz andere Herausforderungen.
00:04:07: Und man hat auch sehr viele unterschiedliche technische Herausforderungen. Man muss ein Gleis legen eine Schiene, die Deutsche Bahn braucht Oberleitung, braucht Strom, dann jeder der im Zug fährt hätte gerne Internet im Zug, das heißt man muss auch das sicherstellen, dass hier einfach Internet im Zug verfügbar ist, dann Signalisierung.
00:04:25: Ist alles sehr komplex und auch die Deutsche Bahn braucht, um die Technik zu vereinen, Gebäude dazu. Das heißt, bei einem Infrastrukturprojekt sind oft auch noch Gebäude mit dabei, das heißt, das ist einfach viel, viel komplexer wie ein Gebäude, das auch seine Herausforderungen hat, aber einfach kleiner ist im Verhältnis.
00:04:40: Ich würd dir vielleicht einfach noch ergänzen, was natürlich auch noch besonders in der Schiene ist. Wir haben in der Regel immer Projekte, die im laufenden Betrieb abgewickelt werden müssen. Also häufig haben wir Projekte, wo täglich Menschen befördert werden wollen, wo wir sicherstellen müssen, dass auch die Sicherheit
00:04:56: der Menschen, die dort arbeiten, aber auch der Menschen die reisen stetig immer gewährleistet ist. Und diese Herausforderung, dass wir im laufenden Betrieb arbeiten müssen, ist denk ich, noch mal sehr spezifisch. Auch für Projekte im Bereich der Schiene zutreffend. Und was noch dazu kommt, ist halt auch tatsächlich, wie es Annette schon gesagt hat, häufig die Größe der Aufgabe ein klassisches Hochbauprojekt oder ein Industrieprojekt ist dann doch räumlich begrenzt und im Bereich der Schiene haben wir Linienbauwerke, die teils über mehrere Kilometer sich erstrecken.
00:05:28: In dem Fall sogar weit über 60 Kilometer. Und tatsächlich eine besondere Herausforderung, einfach auch so schlicht aus der Größe herausstellen.
00:05:35: Vielen lieben Dank für den ersten Einblick und Vergleich. Du hast jetzt gerade schon gesagt, in diesem Fall waren es über 60 Kilometer. Und das ist jetzt ganz konkret nämlich der Fall des Projektes Riedbahn, über das wir heute unter anderem sprechen wollen. Das ist auch das Projekt, was mich ganz persönlich betroffen hat, nämlich auf der Strecke von Köln nach Stuttgart. Und um mal ein bisschen die Komplexität
00:06:01: auf zu zeigen, habe ich mal ein paar Fakten dazu mitgebracht.
00:06:05: Die Riedbahn ist nämlich tatsächlich der meistbefahrenste Korridor Europas mit sechzigtausend Zügen pro Jahr auf dem 20 Bahnhöfe modernisiert, 111 Gleiskilometer erneuert, 152 Weichen ausgetauscht, mehr als 15 Kilometer Lärmschutzwände gebaut, 130 Kilometer Oberleitung erneuert
00:06:25: und 1200 Anlagen der Leit- und Sicherungstechnik geprüft werden mussten. Und weil das noch nicht genug ist, musste das Ganze in 5 Monaten abgewickelt werden und das bei laufendem Vertrieb, eben mit dieser Umleitung, über die auch ich gefahren bin, über die schöne Koblenzer Strecke. Aus Projektmanagement-Sicht klingt es aber nach einer wirklichen Mammutaufgabe. Wie seid ihr das denn angegangen, um es eben in diesen 5 Monaten hinzubekommen, trotz der enorm Komplexität die vorhanden war?
00:06:56: Diese 5 Monate waren uns einfach sehr vorgegeben. Hintergrund war, wir durften erst nach der Europameisterschaft letztes Jahr starten, weil so eine Baumaßnahme mit einem Großereignis der Welt wäre sehr schwer zu realisieren gewesen und das war einfach auch das Ziel vor Weihnachten fertig zu werden.
00:07:11: Diese 5 Monate waren einfach eine große Herausforderung in der Steuerung, hat aber einfach auch in der Vorbereitung schon angefangen, dass wir uns genau vorbereiten, was machen wir in diesen 5 Monaten?
00:07:21: Wie bekommen wir diese ganzen Menschen und Bauarbeiter unter einen Hut, die das Ganze dann umsetzen? Diese großen Zahlen bedingen auch eine große Zahl an Menschen, die da hinterher sind, dass das alles gebaut wird. Wir hatten teilweise bis zu 800 Bauarbeitern im Einsatz plus noch das ganze technische Projektmanagement, wo wir dazu gehören und natürlich auch entsprechende technische Unterstützung der unterschiedlichsten Baumaschinen, die man sich so vorstellen kann, das heißt, es wurden hier die Baumaschinen
00:07:45: aus ganz Europa fast, kann man sagen, zusammengezogen, damit wir hier alles passgenau zum 15.12. Letztes Jahr in Betrieb genommen haben. Und das war einfach eine Herausforderung und das hat mir ehrlich gesagt auch extrem Spaß gemacht, hier einfach genau zu schauen, was brauche ich, dass ich denn 15.12. erreiche und was kann ich auch dann nächstes Jahr oder dieses Jahr machen, weil es nicht unbedingt jetzt letztes Jahr direkt gebraucht habe.
00:08:07: Fabian, jetzt ist natürlich super, wenn man die ganz konkreten Ziele hat und den Projektplan und auch die Unterstützung vom Projektteam, weil
00:08:16: sich eben alle auf diese 5 Monate committed haben.
00:08:19: Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass jetzt nicht alles so ganz easy durchgelaufen ist. Lagen denn zwischendurch die Nerven auch mal blank und wart ihr irgendwie panisch, dass ihr es doch nicht schafft? Und war es am Ende ne Punktlandung oder wart ihr vielleicht sogar schon eher fertig?
00:08:33: Zum letzten Teil der Frage, es war am Ende tatsächlich eine Punktlandung, also der 14.12. konnte gehalten werden, aber die letzten Tage davor waren sehr intensiv für alle Projektbeteiligten. Ich möchte das Bild gerne noch mal aufgreifen, der teilweise über 800 Projektbeteiligten.
00:08:48: Der Start war ja die Europameisterschaft beziehungsweise der Tag nach der Europameisterschaft. Man kann sich das tatsächlich so vorstellen, wie als hätten wir alle Kader der Europameisterschaft quasi im Projektteam gehabt und da kann man sich natürlich auch vorstellen, wir haben jeden Tag mehrere Besprechungen laufen gehabt mit vielen Beteiligten und dass da zwischenzeitlich die Gemüter auch mal hochgekocht sind, ist ganz normal natürlich. Aber ich denke, die besondere Herausforderung dann war auch dabei, das Ganze dann wieder auf ein normales emotions- nicht emotionsloses, aber einen Level an Emotionen.
00:09:19: zu bringen das sachlich und inhaltlich über die Themen diskutiert
00:09:22: wurde und stetig mit den Blick und dem Ziel des 14.12. im Auge hat, das dann eigentlich auch immer im Projekt sehr gut geklappt, dass sich die Emotionen im Laufe der Gespräche und Besprechung dann wieder beruhigt haben und alle zusammen an einem Strang gezogen haben.
00:09:36: Ja, kann ich vielleicht noch ergänzen, wie wir es geschafft haben, uns wieder auf dieses Ziel zu committen. Wir waren ein Team. Wir waren jetzt nicht nur von der Projektsteuerung ein Team, sondern das war ein ganzes Team. Wir nennen das Team Riedbahn, das hat auch am Ende die Deutsche Bahn aufgegriffen gehabt, weil es einfach ein Team war, aus Baufirmen, aus der Deutschen Bahn als Auftraggeber, mit uns, mit allen zusammen. Wir haben am Ende zusammen an einem Strang gezogen, dass wir dieses geschafft haben, ich glaube, da kannst du mir auch zustimmen und auch die anderen bei uns im Team.
00:10:00: Das hat das Ganze auch einfach wirklich dann motiviert, diesen 14.12. zu erreichen und das war echt ein schönes Gefühl. Als dann die ersten Züge gefahren sind über die Strecke.
00:10:10: Wie war das denn? Also, wenn ihr auch gerade von dem Team Riedbahn sprecht, habt ihr am 14.12. dann noch irgendwie gemeinsam gefeiert, dass ihr es punktgenau geschafft habt? Und wie hat sich das angefühlt, dass ihr es dann auch wirklich geschafft habt? Also es gab eine große Wiederinbetriebnahme-Feier, wo auch Funk und Fernsehen und Politik dabei war, also es ist sag ich mal auch sehr cooles Gefühl dann einfach,
00:10:31: auf so einer großen Feier zu stehen.
00:10:32: Und ja, wir haben es gefeiert und das ist einfach unbegreiflich, da zu stehen und da einfach zu sehen, was man in diesen letzten 5 Monaten geschafft hat, weil es einfach schon ja anstrengend war und dann endlich mal zu sehen, was man gemacht hat, ist ein unbeschreibliches Gefühl, finde ich.
00:10:47: Wir haben den Zusammenhalt des Teams aber auch nicht nur am Ende quasi zum Erfolg nach der Inbetriebnahme immer wieder versucht zusammenzuhalten, sondern wir haben auch schon zu Projektbeginn eine Auftaktveranstaltung gemacht, wo dann alle Beteiligten,
00:11:00: sowohl des Kernprojektteams als auch der Auftragnehmer mit dabei waren. Also das ist auch eine besondere Herausforderung gewesen, dass man aufgrund der Vielzahl an Beteiligten dieses Team im Laufe der Zeit natürlich auch erstmal entwickeln muss. Es gab viele Veränderungen von Beginn an bis zum Ende und dann quasi in dem großen Höhepunkt am Ende am 14.12. konnten wir dann alle zusammen dieses Event feiern. Aber es ist auch denke ich immer wichtig zu betonen, dass nicht
00:11:25: nur das Ende gefeiert werden muss, sondern auch Zwischenziele und der Teamerhalt während dieser
00:11:30: sehr intensiven Phase, immer wieder auch gepflegt werden
00:11:32: muss.
00:11:33: Jetzt habt ihr neben dem Team und den ganzen Teamspirit, den es eben braucht, um so ein Projekt zu wuppen, in dieser kurzen Zeit und euch auch auf diesen straffen Projektplan zu committen auch mit einer Vollsperrung gearbeitet. Was soweit ich weiß, ein Stück weit auch ein Novum bei so einer Art vom Projekt war, um es eben in diesen 5 Monaten zu schaffen. Ging es denn tatsächlich nur deswegen in diesen 5 Monaten oder welche anderen Aspekte waren denn aus eurer Sicht entscheidend, um das wirklich auch
00:12:02: in diesem straffen Zeitplan zu schaffen.
00:12:04: Also, die Totalsperrung war definitiv ein Faktor, weil man sonst das Projekt hätte ganz anders aufziehen müssen. Hintergrund ist die Infrastruktur in Deutschland, ist sehr marode und es gab einen gewissen Investitionsstau.
00:12:16: Daraufhin hat jetzt der Bund und die Deutsche Bahn festgelegt, es werden 40 Korridore bis 2030 roundabout saniert und die Riedbahn war der Erste. Und der Vorteil ist, wenn man es total sperrt,
00:12:27: wir haben das Projekt, diese Strecke gesamtheitlich angeschaut und nicht eine 1 zu 1 Erneuerung gemacht, sondern diesen Abschnitt zwischen Frankfurt und Mannheim in Summe optimiert, sodass die Pünktlichkeit erhöht werden kann und auch das Ganze ja in Summe wieder stabiler laufen wird, das System. Und das ging nur mit einer Totalsperrung. Wenn ich jedes Gewerk einzeln erneuern würde, also keine Ahnung dieses Jahr 5 Haltepunkte, nächstes Jahr noch mal andere 5 Haltestationen,
00:12:53: zwischendrin mal noch eine Oberleitung macht, dann schaut jedes Gewerk nur für sich.
00:12:57: Und das ist halt einfach nicht dieser ganzheitliche Ansatz,
00:13:00: der hier dringend notwendig ist, um einfach diese Infrastruktur zügig zu sanieren. Und deswegen, war das diese Riedbahn der Pilotkorridor und ab dieses Jahr erfolgen hier weitere Korridore bundesweit, die nach ähnlichem Prinzip diese Bahninfrastruktur sanieren werden.
00:13:15: Und ihr habt jetzt ergänzend auch viele neue Tools genutzt. Es gibt einige Detailtools, die zum Einsatz kamen. Gab es da welche, mit denen ihr vorher noch nicht gearbeitet habt, die ihr quasi neu eingesetzt habt, um auch auf diese spezifischen Anforderungen eingehen zu können?
00:13:32: Also wir haben tatsächlich in der Vielzahl digitale Tools eingesetzt, also es
00:13:37: sind nicht nur neue Tools gewesen tatsächlich, also der Erfolg lag auch darin, bekannte einfache Tools zur Anwendung zu bringen, also klassische Office Produkte mit Excel mit SharePoint solche Themen zu nutzen, aber eben effektiv zu strukturieren. Dann haben wir natürlich auch innovative
00:13:53: Tools noch mit eingesetzt. Wir haben zum Beispiel regelmäßig mit Turns to BIM gearbeitet, also es haben Drohnenbefliegungen stattgefunden, woraus man dann sich immer wieder Planungsdaten und Besprechungsgrundlagen ausarbeiten konnte. Wir haben eine sehr einzigartige Lösung für die Logistik gehabt, quasi jedes Baufahrzeug in dem großen
00:14:12: Baufeld mit Trackern ausgestattet, sodass die Baulogistikzentrale immer zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit hatte, alle Fahrzeuge nachzuvollziehen. Dass da Kollisionen und Abstimmung Koordination sehr effizient erfolgen konnten. Und wir hatten natürlich auch noch verschiedene Tools im Einsatz.
00:14:27: Um solche regelmäßigen Termine abzubilden, das Aufgabenmanagement zu steuern, über bahneigene Tools, wo aber sehr viel Zeit und Energie auch Hineingeflossen ist, das so zu strukturieren, dass alle
00:14:41: über 800 Projektbeteiligten damit effizient arbeiten können. Also da lag tatsächlich in dem Projekt die Herausforderung auch ein Stückchen weit die Tools für alle anwenderfreundlich und einfach zu halten und alle Beteiligten auch mitzunehmen.
00:14:56: Und noch zu ergänzen. Du hast gerade gesagt, die effiziente Projektabwicklung, das ganze Projekt haben wir mit leaner Methode oder Lean Construction Management angewendet, alles Unnötige musste gestrichen werden, was wir sonst die 5 Monate hätten nicht einhalten können, das heißt wir haben
00:15:08: geschaut, sind die Besprechungen die richtigen Besprechungen sind die richtigen Teilnehmer dabei, muss ich hier was verschlanken oder nicht, weil der Tag hat nur 24 Stunden, die Baustelle ist 24 Stunden gelaufen, 7 Tage die Woche.
00:15:21: Das heißt, da muss man einfach auch sicherstellen, dass die Person, die sonntags da war, die Informationen weitergeben kann, an den der montags da ist, ohne dass man jeden Tag telefonieren muss. Und das war auch für uns einfach diese leane Abwicklung und digitalen Tools, wenn man sonst einfach nicht die Baustelle hätte am Laufen halten können.
00:15:38: Und jetzt habt ihr mir vorhin im Vorgespräch auch noch verraten, dass neben den ganzen Zügen, Maschinen etc, die ihr gerade genannt habt, noch was ganz Besonderes zum Einsatz kam. Was ich so tatsächlich vorher noch nie in einem Bahnprojekt mitbekommen habe. Und zwar gab es da noch ein Tool oder ein Gerät in der Luft. Annette, magst du dazu noch einmal kurz ein bisschen mehr erzählen?
00:15:59: Wir hatten Helikopter im Einsatz. Mit Helikoptern kann man einfach sehr schnell ja Sachen setzen und stellen. Wir haben es zum Signale stellen und aber auch für Pfosten der Lärmschutzwände im Einsatz gehabt und das ist der Vorteil einfach ein Helikopter bewegt sich sehr schnell von A nach B, er kann sehr schnell Sachen in die Luft nehmen und an eine gewisse Stelle absetzen und das hat uns einfach sehr viel Effizienz gebracht und auch in der Zeitabwicklung. Das war auch einfach das Coole so, hier konnte man auch Geräte in Einsatz bringen die man normalerweise vielleicht nicht so hat weil man hier einfach ja freies Baufeld hat und man sich erstmal
00:16:30: nur mit den anderen Bauarbeitern abstimmen muss in Anführungszeichen nur, es sind trotzdem genug Abstimmungen.
00:16:35: Weil ein Helikoptereinsatz hat einfach auch ja rechtliche Herausforderungen, aber das geht dann alles und es lohnt sich bei so einem Projekt auf jeden Fall, weil montags stand noch nichts und dann am Freitag stand schon fast die komplette Lärmschutzwand, das heißt, es war auch wirklich toll zu sehen, wie schnell da auch dann der Baufortschritt sichtbar ist.
00:16:53: Fabian, hattest du einen persönlichen Aha-Effekt bei dem Projekt?
00:16:57: Der größte aha Effekt in dem Projekt war glaube ich tatsächlich, wenn das Team gut miteinander funktioniert, gut abgestimmt ist und ein gemeinsames Ziel verfolgt, was durchaus sehr ambitioniert in unserem Falle war, dann ist sehr, sehr vieles möglich, wo sich sicherlich viele Projektbeteiligten am Anfang in die Augen geschaut haben und die Frage gestellt haben, wie schaffen wir das in 5 Monaten.
00:17:20: Also das ist für mich persönlich der größte Aha-Effekt. Der Faktor Team steht bei so einem Großprojekt eigentlich an allererster Stelle, weil ohne dieses Team hätte es tatsächlich mit dem Erfolg, den es dann am Ende gab, nicht funktioniert.
00:17:34: Jetzt habt ihr beide ja schon mehrfach betont, wie entscheidend das Team Riedbahn bei diesem Projekt war. Könnt ihr mir ein bisschen Einblicke geben, wie das Team zusammengesetzt war, also habt ihr euch schon vorher ganz konkret überlegt, wer muss wo rein, wer wird wie eingesetzt?
00:17:49: Weil es ja auch ganz viele unterschiedliche Stakeholder in dem Projekt gibt. Und wie seid ihr das angegangen?
00:17:56: Ein bisschen zusammengesetzt, aber eigentlich, am Anfang war es so, ich hab den Projektauftrag gewonnen gehabt und dann hab ich den gestafft und dann ein Stück weit was einfach welche Personen haben Kapazität mich in diesem intensiven Projekt zu unterstützen. Im Projekt selber hab ich dann schon nachgeschaut wie ich die Leute einsetze, das heißt ich hab schon geschaut, wo sind die Stärken von einzelnen Leuten, wie setze ich die ein, aber manchmal war es auch einfach, wer hat gerade Zeit
00:18:19: und kann mich jetzt hier in dieser Besprechung unterstützen? Fabian hat es vorhin gesagt,
00:18:23: wir haben gefühlt uns nur besprochen. Wir hatten teilweise so 3 bis 4 Besprechungen parallel, da war es dann einfach wichtig. Welche Person hat gerade Zeit macht, das geht in die Besprechung, moderiert diese, muss sie noch vorbereiten und das war aber auch das Schöne, weil wir am Ende so ein Team waren, das hat funktioniert, weil wir uns dann sehr gut verstanden haben und das ist vielleicht auch für mich das größte Thema, der Faktor Mensch, ohne uns Menschen hätte es nicht funktioniert und die digitalen Tools hätten einfach auch nichts gebracht.
00:18:47: Von dem her auch da war dieser Teil Mensch und ich hab Zeit und ich mach das. Das war das Schönste auch für mich noch.
00:18:54: Fabian, gibt es denn neben diesem breit aufgestellten Team, das sich für euch als sehr positiv herausgestellt hat, weitere Learnings bei diesem erstmaligen Sonderprojekt, die ihr für kommende Projekte mitgenommen habt, gerade in Bezug auf Bahn- und Infrastrukturprojekte?
00:19:11: Ja, auf jeden Fall. Also ich glaube, das Pilotprojekt, das wir jetzt durchgeführt haben, bringt ganz viele Learnings mit, das ist auch die Herausforderung, die Learnings jetzt in eine Struktur zu bringen, dass sie dann für die nächsten Korridore, Annette hat ja vorhin schon die
00:19:26: Größe der Herausforderung und die Anzahl der bevorstehenden Korridore erwähnt, zu überführen. Die Dinge, die gut liefen, mitzunehmen, die Dinge, die noch nicht perfekt waren, auch mitzunehmen und zu überlegen, wie können wir es anders machen.
00:19:38: Es gibt sicherlich Punkte, die im Faktor Zeit, wann sind, welche Projektbeteiligten mit zu beteiligen. Wie früh muss auch das Projekt stehen? Es gibt immer wieder, ich glaub das ist aber ein nicht riedbahnspezifisches sondern ein allgemeines Großprojektthema das Thema Kommunikation, das ist bei uns im Projekt auch das A und O gewesen und wird voraussichtlich auch in allen nachfolgenden Korridoren ne große Herausforderung darstellen. Und
00:20:03: dann ist das Learning sicherlich auch die Zusammenarbeit mit den Beteiligten,
00:20:09: die gegebenenfalls auch schon mit im Projekt gebunden sind, also mit den Baufirmen, mit der Bauüberwachung.
00:20:14: Das ist so das A und o auch das Thema der Transparenz. Also man muss offen miteinander zusammenarbeiten, man muss Probleme, Herausforderungen ansprechen, platzieren und nur wenn alle Projektbeteiligten auch regelmäßig abgeholt werden, hat man die Möglichkeit, Probleme zu lösen. Und wichtig ist, wir haben ja auch im Januar schon Teile der Leistungen gebaut und Vorleistungen erbracht, dass man sich in so einem Projekt auch ständig hinterfragt
00:20:39: und optimiert. Welche Themen sind noch nicht perfekt, wo kann man noch Dinge
00:20:44: besser machen und wenn man so das Projekt immer mit dem Blick in die Zukunft betrachtet, dann denke ich, kann man das auch sehr gut in die weiteren Korridore übertragen.
00:20:53: Annette, hast du noch was zu ergänzen aus deiner Sicht oder deinen Erfahrungen?
00:20:58: Ja, also eigentlich nicht nur auf Korridorprojekte. Für mich ist es einfach, es kann man auf jedes Projekt übertragen, nicht mal nur Bahnprojekte, es ist einfach die Herausforderung. Kommunikation ist sehr, sehr wichtig und das hat es mir noch mal gezeigt, aber man kann das hier die ganzen Learnings gelten für Korridorprojekte aber auch für eine kleine Bahnsteigsanierung oder für ein kleines Gebäude genauso.
00:21:16: Und das ist, glaube ich, auch die Stärke, dass wir die Sachen jetzt übertragen können in andere Projekte hinein, um daraus zu lernen, wie man ähnliche Erfolge dann auch bei anderen Projekten feiern kann.
00:21:25: Das klingt jetzt erstmal so, als habt ihr ganz viele positive Learnings mitgenommen und ganz viel aus dem Pilotprojekt gelernt. Gibt es denn was, wo ihr sagt, das müssen wir noch ändern, um auch weiter bei diesem Ausbau der Sanierung der ganzen Strecken voranzukommen und zukünftig auch diesen Sanierungsrückstau, den wir jetzt haben,
00:21:46: ja aufzuholen beziehungsweise auch nicht wieder aufzubauen, also ihn zu vermeiden? Ja ein sehr großer Faktor ist die Politik dabei, es wird hier alles über Mittel aus dem Bund bei der Deutschen Bahn finanziert und ohne Finanzierung wird das einfach schwer und wir hatten hier jetzt eine gesicherte Finanzierung und es gab auch die Bereitschaft von allen schnell zu arbeiten und auch in Zukunft,
00:22:07: muss es dabei bleiben, weil am Ende sind die Firmen, sind wir angewiesen aufs Geld, wir verbauen hier Material, das Material muss bezahlt werden und das geht einfach nur, wenn die Finanzmittel da sind, das heißt,
00:22:19: Finanzierung muss gesichert sein aber auch darüber hinaus die Bereitschaft der Anwohner, auch mal in Kauf zu nehmen, dass es mal ein bisschen lauter wird. Ich kann nicht erwarten, dass ich neue Züge vor der Haustür habe, ohne dass ich ein paar Einschränkungen hab, da einfach auch die Akzeptanz von
00:22:33: allen, dass man hier vielleicht mal über eine gewisse Zeit ein paar Einschränkungen hat, aber hinterher was Gutes hat.
00:22:39: Genau, ich glaub eine zusätzliche Herausforderung in dem Thema, wie können wir noch besser werden oder wie kann das Thema Sanierung der Infrastruktur über Korridore, ist zusätzlich auch das Thema Ressourcen. Man muss natürlich dazu sagen wir haben jetzt ein Pilotprojekt gemacht in 5 Monaten mit einer wahnsinnigen Leistung, auch einem wahnsinnigen Personaleinsatz. Es gibt natürlich auch weiterhin in Deutschland weitere Bahnprojekte die nicht Korridorsanierungen sind, auch die müssen weiter mit abgewickelt werden, da bedarf es sicherlich einer gewissen Priorisierung.
00:23:09: Man muss auch einfach betrachten und das realistisch bewerten, wie viele Korridore,
00:23:13: können gleichzeitig abgewickelt werden, wie viele Kapazitäten in allen Bereichen begonnen bei der Planung beim Bauherrn selbst stehen überhaupt zur Verfügung und in welchen Zeiträumen.
00:23:24: Und das Material also sag ich mal, ich brauch auch das ist Materialthema, ich, kann nur gewissen Stahl produzieren, das heißt auch die Industrie muss mitspielen und das ist einfach unheimlich wichtig. 130 Kilometer Kabel am Anfang gesagt sind 130 Kilometer Kabel die erstmal produziert werden müssen wo das Rohmaterial da sein muss, das heißt es ist eine ganze Lieferkette,
00:23:42: die man einfach auch betrachten muss.
00:23:44: Ja, da fällt
00:23:45: mir nur wieder ein das was du zu Beginn eigentlich schon gesagt hattest, wie komplex das Ganze wirklich ist. Das wurde jetzt durch diese ganzen Details und Einblicke, die ihr uns gegeben habt, wirklich noch mal unterstrichen. Und auch dieses Thema, das alle an einem Strang ziehen müssen, von Baufirmen über Anwohner und eben alle beteiligten Stakeholder, das wurde jetzt an vielen Beispielen wirklich noch mal schön deutlich. Wir nähern uns langsam aber sicher dem Ende und
00:24:09: ich würde euch zum Abschluss gerne noch eine Frage stellen, quasi als
00:24:13: Take Home Message für unsere ZuhörerInnen.
00:24:15: Wenn ihr 3 Gründe definieren müsstet, wann ein Infrastrukturprojekt oder ein Bahnprojekt gelingt, welche wären das?
00:24:24: Fabian, magst du starten?
00:24:25: Ich hatte
00:24:25: es ja schon mehrmals im Gespräch erwähnt, aber ich würde es auch gerne den Zuhörern mitgeben wollen. Der größte Faktor aus meiner Sicht ist und bleibt der Faktor Mensch und damit verbunden das Team, das mit der Motivation ans Projekt herantritt,
00:24:42: und da Vollgas geben möchte, um am Ende den Projekterfolg zu sichern.
00:24:47: Annette, Was sind deine 3 Gründe?
00:24:49: Für mich ist auch ein großer Faktor das Team Mensch und die Zusammenarbeit Kommunikation. Das war jetzt in vielen Projekten, die ich erfolgreich abgeschlossen hab, der große Faktor, dass man es erfolgreich zum Abschluss bringt, die Leute und die Motivation hier gemeinsam die Infrastruktur zu verbessern, das ist der größte Faktor.
00:25:05: Dann bleibt mir nichts anderes, als euch dabei weiterhin viel Erfolg zu wünschen. Dass ihr da so gemeinsam am Strang ziehen und in der Komplexität angehen könnt. Danke euch beiden, dass ihr heute bei uns zu Gast wart und uns mit in die Welt der Infrastruktur genommen habt und so viele Einblicke in das Projekt Riedbahn gegeben habt. Und wenn Sie jetzt nach diesem Einstieg noch mehr über das Thema Infrastruktur erfahren wollen, dann lege ich Ihnen schon jetzt unsere nächste Episode ans Herz, da sprechen wir
00:25:34: nämlich über das Thema Brückenbau.
00:25:36: Vielen Dank fürs Zuhören und hoffentlich bis zur nächsten Folge von Blue Waves, dem Podcast für die Bau- und Immobilienwelt von Drees & Sommer.